Berge, Klettern, Wandern, Klettersteig, Umweltschutz

Alpenvereins-Hütten:


Wie umgehen mit dem Besucherboom?

Besucherboom, Wassermangel und Digitalisierung

Früher konnte man einfach in die Berge gehen, seine Routen und Etappenlängen spontan der Tagesform oder der Wetterlage anpassen, und man hat auf jeder Hütte ein Abendessen und eine eigene Matratze bekommen. Heutzutage wird viel Wert auf Planung gelegt. Da kann man nicht mehr einfach so kommen und gehen wie man will. Heute geht es um Effizienz! Auch in den Rückzugsräumen, in denen wir uns vom "effizient sein" erholen wollen. Zwischen früher und heute liegt aber auch eine Verdoppelung der Alpenvereinsmitglieder innerhalb von 20 Jahren, ein Wander- und Kletterboom, eine höhere Mobilität, größere Flexibilität und ein enormer Zuwachs an Komforterwartung der Bergtouristen.


Bergwandern ist Trend. Die Besucherströme haben auch 2018 wieder zugenommen. Die Bergsteiger sind keine kleine homogene Einheit mehr mit Ehrenkodex und Gemeinschaftsgefühl. "Verschwundene" Ausrüstungsteile sind auf Hütten keine Seltenheit mehr, und auch beim Kampf um den Schlafplatz sind die Hemmschwellen gesunken. Mittlerweile wird von nicht wenigen Zeitgenossen schon mal für ein und die selbe Nacht auf mehreren Hütten reserviert, um flexibel zu bleiben. Das Absagen wird nicht selten "vergessen". Andere Bergtouristen reservieren grundsätzlich nicht. An sonnigen Wochenenden platzt die Hütte dann aus allen Nähten, und bei Regen kommt kein Mensch. So wird die Planung für den Hüttenwirt - der auch seine Hilfskräfte einsetzen, seine Lebensmittel bevorraten oder den nächsten Helikopter bestellen muss - ausgesprochen schwer.

Durch die geringen Niederschläge und den wärmsten Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ensteht zudem zunehmend Wassermangel auf den Hütten. Nicht selten sind die eigentlich vorhandenen Duschen nicht mehr benutzbar. Einige Hütten bekommen sogar Stabilitätsprobleme durch den zurückgehenden Permafrost. Eine Bilanz des laufenden Hüttenjahres stellte jetzt Geschäftsbereichsleiter Hanspeter Mair vor.

Einige Änderungen beim Hüttenmanagement versuchen, die Bedingungen für Wirt und Gast bei der Zuteilung der Schlafplätze zu verbessern.

1. Mittlerweile nehmen viele Hüttenwirte des Deutschen, Österreichischen und des Alpenvereins Südtirol Stornogebühren, Richtwert ist dabei 10 € pro Person und Nacht. Die Gebühr wird bei frühzeitiger Absage meist erstattet, Fristen und Modalitäten handhabt jede Hütte unterschiedlich.

2. Einige private Hütten und Hütten anderer Vereine nehmen keine Gäste mehr auf, die ohne Reservierung kommen.

3. Von DAV, AVS, ÖAV und SAC wurde ein einheitliches Online-Reservierungssystem eingeführt, wie es beim Schweizer Alpenclub (SAC) bereits etabliert ist. Damit erkennt der Gast über ein Ampelsystem auf den ersten Blick freie Kapazitäten und kann sich ggf. umentscheiden oder auf eine Warteliste setzen lassen. Durch Steuerung der Nachfrage soll die Hütte besser ausgelastet werden. Bislang sind nur wenige Hütten an dieses System angeschlossen: 16 Hütten in Österreich, 6 in Deutschland und 69 Hütten in der Schweiz. Weitere 44 Hütten in den Ostalpen werden aber voraussichtlich in Kürze freigeschaltet. Eine Liste der Hütten findet sich bei www.trekkingguide.de/DAV/

4. Bis vor kurzem mussten die Alpenvereins-Hüttenwirte 25 % der Schlafplätze für spontan auftauchende Bergsteiger frei halten. Diese Quote ist nun auf 10 % gesenkt worden, d.h. 90 % der Schlafplätze können an reservierende Gäste im Voraus vergeben werden.

Unabhängig von der direkten Steuerung soll beim Gast eine Verhaltensänderung erreicht werden: Frühzeitig reservieren, und bei Absage oder Änderung der Tour frühzeitig stornieren!

Kann man also in Zukunft in den Alpen nicht mehr spontan auf Tour gehen? Sicher wird das etwas schwieriger werden. Und das bedauert auch der Autor. Wenn aber zukünftig weniger Erholungssuchende die Nacht im Schankraum oder auf Hüttenfluren verbringen müssen, und wenn weniger Gäste abgewiesen werden, für die am Ende doch ein Platz frei gewesen wäre, und wenn die Stimmung auf den dann nicht mehr überfüllten Hütten insgesamt wieder entspannter wird, dann haben doch alle etwas gewonnen ... oder?? 

Andreas Happe (DAV-Fachübungsleiter)

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Weitere Infos zu Berghütten unter auf trekkingguide.de

 

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