Blick von der Jakobikirche

Stadt – Land – Wandern – Wanderwege für Göttingen

Wanderbar

Warum (immer) in die Ferne schweifen?, das dachte sich wohl auch der Vorstand bei der Auswertung der Zukunftswerkstatt im vergangenen Jahr und griff den Vorschlag aus den Reihen der Mitglieder auf, sich noch mehr lokal zu engagieren – und vor allem dies auch öffentlich kund zu tun. Dass sich die Sektion nicht nur in den Alpen, sondern auch vor Ort einbringen möchte, steht in der Satzung und genauso Satzungskonform ist die Thematik: Wandern.
Abgesehen davon liegt Wandern seit einigen Jahren wieder ganz im Trend! Bewegung an der frischen Luft und Naturgenuss, sportliche Betätigung und das Erleben schöner Landschaften, diese Kombination tut Seele, Geist und Körper gut. Der Wellness-Faktor verpasste der ehemals langweiligen Senioren-Betätigung einen ganz frischen Anstrich, mit Geocaching oder kulinarischen Wanderungen ließen sich neue Zielgruppen begeistern und mit dem Wandersiegel „Premiumweg“ gibt es nun auch endlich ein Gütesiegel für Wanderwege. Dieses Siegel prüft nach hart ab, ob und wie weit ein Wanderweg 34 Kriterien entspricht, damit er sich dieses Siegel verdienen könnte. Naturbelassenheit, ein extensives Landschaftsbild und eine kleinräumig abwechslungsreiche Wegeführung sind dabei wichtige Aspekte, die in einer stark zerschnittenen Landschaft die dem Leinetal nur schwer auffindbar sind.

Doch warum in die Ferne schweifen? Nicht jedes Wochenende ist ein Verlängertes, zu dem mensch weiter wegfahren möchte und zwischen den ersehnten Urlaubszeiten im Jahr gibt es genügend schöne Tage, an denen sich zu Fuß auch die nähere Umgebung erkunden lässt, vielleicht sogar ohne dazu ein Auto zu brauchen. Denn auch wenn Göttingen und sein Umland kein Potential für Premiumwanderwege bietet, hält es einige landschaftliche Perlen vor… doch dazu später.

Eine Strukturanalyse ergab, dass das Wanderwegenetz im Bereich Göttingen mehr als dürftig ist. Der letzte Wegeplan wurde vor mehr als 15 Jahren im Auftrag der Stadt erstellt.

Die kleinen geometrischen Zeichen in unterschiedlichen Farben dürften manchen bekannt sein. Die Zeichen finden sich hauptsächlich im Norden der Stadt wie auch im Göttinger Wald, sie sind teilweise schadhaft oder fehlen ganz, auch haben sich manche Farben seitdem so stark verändert, dass Verlaufen schon lange nicht mehr ausgeschlossen ist.
Göttingen und Wandern, das ist fast schon ein alter Hut an den der Studentenpfad erinnert, der, im Stadtgebiet identisch mit dem Fernwanderweg E6, in Göttingen beginnt und übers Kerstlingeröder Feld, den Hohen Hagen, Hann. Münden, Kassel und den Bergpark Wilhelmshöhe bis Marburg und Gießen führt. Göttingen und Wandern, diese Verbindung spiegelt sich auch wieder in den Wandergruppen der Stadt (drei davon in der Sektion!), die sich regelmäßig, manche sogar monatlich, treffen um zusammen zu wandern, in den Themenwanderungen die Verbände oder Einzelpersonen anbieten, den Tourenvorschlägen von Naturschutzverbänden oder einer regionalen Zeitung, sowie Genuss versprechenden Wanderführern.
Naturschutzgebiet Stadtwald

Einige Gebiete im Umkreis von Göttingen wurden bereits mit eindeutigen, langlebigen Wegeschildern versehen: im Naturpark Münden, sowie in der Samtgemeinde Radolfshausen und im Flecken Bovenden wurden in den vergangenen Jahren bereits gefräste Aluminiumschilder in einheitlichem Design aufgestellt, welche die Wanderer auf Nah- und Fernziele, Gastronomie oder Bushaltestellen aufmerksam machen. Die Gemeinde Gleichen zieht in den nächsten Jahren mit der Erstellung eines Wegenetzes nach, der Stadtbereich mit den dazugehörenden Ortschaften stellt also ein notwendiges Bindeglied dar.

Der Bedarf ist also da und die Sektion hat die Kompetenz zur inhaltlichen Umsetzung dieses Projektes in den eigenen Reihen.

Kooperationspartner waren schnell gefunden: Martin Levin, Leiter des Stadtforstamtes, Alexander Frey, Geschäftsführer der Göttinger Sport & Freizeit GmbH und Sissi Karnehm-Wolf, LEADER Galerie Göttinger Land leisten aktiv Unterstützung, Verbände, politische Parteien und Einzelpersonen wurden über das Vorhaben informiert und eingeladen sich einzubringen.
Martin Levin ermöglicht es, auf dem Gebiet des Göttinger Stadtwaldes sehr unbürokratisch mit der Planung eines Wegekatasters anzufangen und zusätzlich zwei bis drei Themenwanderwege anzulegen, darüber hinaus werden die Mitarbeiter des Stadtforstamtes die Schilder aufstellen und die Pflichten der Verkehrssicherung übernehmen. Die GöSF finanziert die Schilder und Sissi Karnehm-Wolf steht in allem beratend zur Seite, vermittelt Kontakte und stellt einen Zugang zum überregionalen Wegekataster zur Verfügung.

In diesem Sinne breit und gut aufgestellt können wir uns auf die Inhalte und die Wanderwege konzentrieren. Neben einer Routenführung die Abwechslung, interessante Wege und schöne Ausblicke beinhaltet, wollen wir auch ein Augenmerk auf den Wegesrand legen, auf schützenswerte Besonderheiten der Natur, auf geologische und geschichtliche Zeugnisse und auf Dinge die charakteristisch und besonders sind für unseren Landkreis.

Östlich von Herberhausen liegt eine Gesteinsschicht bloß, die vor 240 Mio. Jahren der einstige Meeresboden war, die Strömungseffekte der Wellen wurden quasi eingefangen und versteinert. Kleine und teilweise versteckte Wiesen bilden besondere Lebensräume innerhalb der Waldmatrix mit Quellen und mächtigen Solitärbäumen. Ein wenig im Verborgenen erzählt sich die Geschichte eines Friedhofs einer alten, aufgegebenen Siedlung und das Wissen, dass die Wildkatze in den Göttinger Wald zurückgekehrt ist und nun hier herumschleicht, gibt dem Wald einen märchenhaften Hauch.

Den Wanderer erwartet eine Mischung auf verschlungenen Waldpfaden und Wiesenwegen, den Plattenwegen auf dem Kerstlingeröder Feld oder befestigten Forststraßen. Wir wollen die Wegeführung offen gestalten, so dass sie für ein möglichst breites Publikum ansprechend und geeignet sind für Kind und Kegel, Rollator und Kinderwagen, Wanderstiefelweitstreckengänger und Sonntagsnachmittagsturnschuhspazierer.

Ebenso wird es möglich sein, die Länge der Route den persönlichen Bedürfnissen anzupassen, Abkürzungen und Verlängerungen sind erwünscht!

Einmal oben auf dem Kerstlingeröder Feld angelangt, ist die Stille fast atemberaubend. Obwohl das Gänseliesel und der Trubel der Stadt nur knappe 5km Luftlinie entfernt ist, hier herrscht Stille. Meistens zumindest – wenn nicht gerade der Schäfer mit seiner Herde durch die geschichtsträchtigen Ruinen zieht. Die Wege sind gesäumt von Obstbäumen und Gehölzreihen, die dem Wanderer, je nach Jahreszeit, Schatten, einen blütenreichen Augenschmaus oder einen Snack am Wegesrand bieten. Das Thema Streuobst zieht sich weiter Richtung Sengerfeld vorbei an einer Streuobstwiese die in den 1990er Jahren angelegt wurde bis hinunter zum Streuobst-Sortengarten unterhalb des Neuen Botanischen Gartens, einer von vier Streuobst-Sortengärten im Landkreis.

Wir möchten ein gut verteiltes Wegenetz im Göttinger Wald mit Schildern versehen, das den Wanderern eine gute Orientierung ermöglichen und den Anschluss an die umgebenden Wandergebiete, Fernwanderwege, sowie Ziele im Nah- und Fernbereich aufzeigen soll.

Im Frühjahr 2017 schon, so unser ehrgeiziger Plan, sollen die Schilder aufgestellt werden. Die Wanderrouten werden in Flyern beschrieben und durch Kartenmaterial ergänzt bekannt gemacht werden und sowohl online als auch in gedruckter Form natürlich kostenfrei erhältlich sein. Damit Sie und ich, DAV-Althasen und Wanderneulinge, hier geborene Göttinger und Neu-Zugezogene und auch Gäste den Göttinger Wald zu Fuß entdecken können.