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Umstrittener Sandstein
 
 

Klettern & Naturschutz:

Weniger Kletterfelsen
im Reinhäuser Wald

Am Dienstag, den 23.05.2017 fand in Reinhausen eine Informationsveranstaltung des Landkreis Göttingen zum Thema Landschaftsschutzgebiet Reinhäuser Wald statt. Seit Jahren soll das dort befindliche FFH-Gebiet 110 per Verordnung zum LSG gemacht werden. Dabei ging es um verschiedene Aspekte, z.B. für den Forstbetrieb, aber auch für die Sportkletterer. Im Laufe der Jahre sind einige Versionen der LSG-Verordnung gekommen und gegangen. Am Anfang stand ein generelles Bohrhakenverbot zur Debatte. Dann war die Zone 3 weg. Nach das vom Tisch war, kam auf einmal das Thema Chalk (Magnesia) am Fels auf. Der aktuelle Entwurf ist jetzt samt naturschutzfachlichem Gutachten online verfügbar. Am 17. Juli endet offiziell die Phase, in denen die Träger öffentlicher Belange schriftlich Stellung nehmen können. Die Sektion Göttingen hat dies bereits getan.

Die Details der Freistellungen zum Klettern im FFH-Gebiet 110 sollen nach derzeitigem VO-Entwurf so aussehen:

  • 8 Felsen, die laut Klettervereinbarung 2006 bisher freigegeben sind, fallen weg: Nachbarkanzel, Kavernenwand, Wellenwand, Gnom, Eisenwand, Koloss, Wampe, Knubbelwand. Die letzten 4 sind mit Bohrhaken ausgerüstete und zum Teil recht beliebte oder klettersportlich überregional bekannte Felsen. 
  • 9 von 37 neu untersuchten Felsen kommen hinzu. 5 davon sind Türme: Weihnachtsturm, Grüner Klapptisch, Statist, Zufallsscheibe, Champion. Diese werden bekanntlich aus kletterethischen Gründen sehr zurückhaltend beklettert.
  • 4 weitere sind: Rechte schwarze Wand, Freie Klippe Steinbruch, Zeltplatzwand und Erster Hintermann. Die letzten 3 davon sind zur Zeit noch offen, weil sie nicht im Geltungsbereich der Klettervereinbarung 2006 liegen.
  • Sehr viele weitere Felsen, die seit Januar 2016 offen sind, fallen weg. Es seien hier nur mal die bedeutendsten aufgezählt: Winterklippe, Freie Klippe, Versteckte Wand, Campingfels, Zyklopenwand, Scholle. Viele von diesen Felsen sind bereits erschlossen und klettersportlich - wenn auch sparsam - ausgerüstet.
  • Einige der schönsten Türme im Saugrund fallen weg: Teufelsturm, Engelsturm, Lettenwand, Kasten.

Es wird also starke Einschränkungen geben, vor allen gegenüber dem Status Quo, aber auch gegenüber der Klettervereinbarung von 2006. Ob die Sperrung beispielsweise des Teufelsturm dem Naturschutz nützt, verrät ein Blick ins Gipfelbuch: 3 Einträge pro Jahr ... Selbst wenn sich nur jeder 10te einträgt - macht es Sinn den Besuch von 30 Personen im Jahr per Verordnung zu regeln? Andere Sperrungen tun hingegen auch angesichts der Besucherzahlen weh. Häufig ist nicht einmal der Naturschutz maßgebender Grund, sondern der Kulturdenkmalschutz. Viele klettersportlich interessante Felsen wurden gar nicht untersucht, weil sie Abri haben und in der Nähe einer Fundstelle liegen, z.B. die Großmutter. Eine nachvollziehbare Argumentation, warum manche Felsen freigegeben sind, andere aber nicht, fehlt beim Kulturdenkmalschutz leider.

Wir fordern Nachbesserungen am aktuellen Entwurf, weil mit Freigabe von lediglich 1 bis 3 Prozent der Felsen kein ausgewogener Kompromiss zwischen Naturschutz, Kulturdenkmalschutz und Naherholungsinteressen gefunden wurde:

  • Freigabe weiterer Felsen aus der 37er Liste. Viele der Felsen sollen gesperrt werden, obwohl kein naturschutzfachlich zwingender Grund vorliegt
  • Zonierung von Felsen, an denen bedrohte Arten nur stellenweise vorkommen
  • Freigabe oder Zonierung von Knubbelwand und Koloss. Bei über 70 kulturhistorischen Fundstellen im FFH-Gebiet kann das ohnehin geringe Risiko von Verlusten durch den Klettersport an lediglich 2 Stellen hingenommen werden.

Apropos Sandstein: Im gesamten Landkreis Göttingen geht es immer wieder um Einschränkungen der Klettermöglichkeiten.

Chalk sparen!

Dabei kann jeder Nutzer seinen Beitrag leisten und die Felsen so nutzen, dass keine Notwendigkeit für restriktive Regelungen besteht: Ohne Verkehrsbehinderung parken, vor Einbruch der Dunkelheit den Wald verlassen, beim Zustieg möglichst die vorgesehenen Wege benutzen, natürlich nichts liegen lassen und kein Feuer machen. Hunde bitte anleinen, wenn sie streunen. Nach Auskunft des zuständigen Hegering-Leiters ist der Stress, dem das Wild ausgesetzt ist, übrigens höher, wenn sich potentielle Jäger lautlos anschleichen. Geräusche in Maßen darf man also produzieren ... Und ja, das Chalk-Thema: bitte sparsam verwenden und nach Möglichkeit hinterher entfernen!  

 

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Montag, 26. Juni 2017 19:19