Berge, Klettern, Wandern, Klettersteig, Umweltschutz


Hessische Schweiz
Blick vom Andreasstein auf die Werra

Naturschutz:

Monitoring-Bericht Werratal liegt vor

Die beliebtesten der im hessischen Werra-Meißner-Kreis gelegenen Kalkstein-Kletterfelsen liegen (bis auf den Andreasstein) in FFH-Gebieten. Das Regierungspräsidium Kassel hat in Zusammenarbeit mit Hessenforst, der DAV Sektion Kassel, Naturschützern, dem Werra-Meißner-Kreis und dem DAV Göttingen Kletterregelungen erarbeitet, deren Ziel ein Ausgleich zwischen den Interessen der Naherholung und des Naturschutzes ist. Die Regelungen wurden 2018 gültig und beinhalten ein jährliches naturschutzfachliches Monitoring. Der erste Monitoring-Bericht liegt nun vor. 

Das Monitoring wird vom Büro Noel für Naturschutz, Ökologie und Landbau an den 4 Felsen Großer Habichtstein, Behälterskopf, Ellersteine und Otterbachstein durchgeführt. Dazu wurden sogenannte Dauerbeobachtungsflächen (DBF) magnetisch markiert und nun ein erstes mal einer Wiederholungsuntersuchung unterzogen. Es befinden sich insgesamt 8 DBF an den Wänden und 15 weitere an Felsköpfen und -füßen. Der erste Monitoringbericht spricht bei allen 4 Felsen von starker Schädingung der Vegetation durch den Klettersport. Ein Vergleich zur Ausgangsaufnahme wurde aber nicht gezogen.

Am Otterbachstein und an den Ellersteinen ist das Klettern derzeit vollständig verboten, an den anderen beiden Felsen sind nur lokal begrenzte Bereiche gesperrt. Die Verbote werden leider nicht vollständig beachtet, was auch an der Tatsache liegt, dass das Regierungspräsidium Kassel (mit finanzieller Beteiligung der DAV Sektion Göttingen) Informationstafeln aufstellen wollte, dies aber nicht getan hat. Ellersteine und Großer Habichtstein gelten aus naturschutzfachlicher Sicht als die wertvollste Felsen, der Otterbachstein ist am wenigsten artenreich. An Habichtstein und Otterbachstein sind Trittschädigungen zudem auf den Besuch vieler Wanderer zurückzuführen.

Am Großen Habichtstein wurden 2 vom Aussterben bedrohte Arten (Moose/Flechten) gefunden, weitere Arten gelten als gefährdet. Zudem wurde dort die seltene Gestreifte Moospuppenschnecke gefunden. An den Ellersteinen kritisiert der Bericht die Freistellung des Felsens, weil durch die deutlich stärkere Beleuchtung schattenliebende Arten lokal ausssterben. Zudem ist an den nicht bekletterten Felsen eine Ausbreitung der Verbuschung und des Behanges mit einem artenarmen Efeu-Teppich erwähnt.

Die Konsequenzen, die nach 5 Jahren aus diesem Monitoring möglicherweise erwachsen, sollen durch Nachweise mit Fotografien der DBF von Vorwürfen einer gefälligen Auslegung der Untersuchung  befreit werden. Denn die Dokumentation kann nachher weiteren Gutachtern vorgelegt werden. Als Konsequenz sind verschiedene Szenarien denkbar. So könnten die jetzt zu Klettern offen gehaltenen Felsen nach Ablauf der 5 Jahre ebenfalls gesperrt werden oder es kann auch zu einer weiteren Öffnung gegenüber dem Klettersport kommen.

Die Region rund um das Werratal wird in der Literatur auch als die "Hessische Schweiz" bezeichnet und ist bekannt durch ihren sehr griffigen und strukturreichen Kalksteinfels, der auch in den unteren Schwierigkeitsgraden viel Routenauswahl bietet. Die für Kletterer im Moment wesentlichen Ergebnisse - die lokal leicht eingeschränkte Freigabe von Behälterskopf und großem Habichtstein - sind bereits in das Felsinformationssystem des DAV eingepflegt. Der Volltext der "Kletterkonzeption" und des ersten Monitoring-Berichtes ist im öffentlichen Teil der AKN-Cloud abrufbar. Der Name "Kletterkonzeption" des Dokumentes kann zu Verwechselungen führen mit der älteren vom DAV erstellten (und wesentlich umfangreicherern) Kletterkonzeption Hessen, deshalb nennen wir das Dokument "Klettervereinbarung-Werratal-2018.pdf".

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Ingo Simon

Baumfäll-Arbeiten an der Klappenhauwand vom 8.6. bis 12.6.2020. Klettern ist dann nur an entfernten Sektoren möglich.

Mittwoch, 20. Mai 2020 16:20