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GöWald: Oberfläche am Naturstein

Klettern & Naturschutz:

GöWald - was soll das sein?

Das unter norddeutschen Felskletterern als "GöWald" bezeichnete Sandstein-Klettergebiet hat wenig mit dem "Göttinger Wald" zu tun, der als Stadtwald im Territorium der Universitätsstadt bekannt ist. Der GöWald umfasst ein weitaus größeres Gebiet, das an keinerlei Verwaltungsgrenzen Halt macht und sich im Wesentlichen auf der rechten Schulter entlang des Leinetals zieht. Die geschätzt etwa 3000 Sandsteinfelsen sind das vereinende Merkmal des GöWalds zwischen Uder in Thüringen und Northeim in Niedersachsen. Die sehr alten Sedimentformationen sind sehr unterschiedlich fest und enthalten einige interessante Alleinstellungsmerkmale, zum Beispiel eine der größten Ansammlungen steinzeitlicher Felsdächer (Abri) Europas.

Die Sicht der Felskletterer auf den GöWald könnte umstrittener kaum sein. Er wird verachtet und geliebt, gemieden und gepflegt. Wie immer man zum Sandstein steht, der GöWald ist ein ernstzunehmendes und von vielen unterschätztes Klettergebiet. Lest hier warum ... 

Der GöWald ist als Klettergebiet nicht gerade klein. Etwa 600 Routen sind dokumentiert und machen ihn zum drittgrößten Sandstein-Klettergebiet Deutschlands, nach der Sächsischen Schweiz und der Pfalz. Zudem gibt es viele schwere Routen, was dem GöWald eine gewisse leistungssportliche Orientierung gibt. Einige Highlights im 10ten Grad (UIAA) runden dieses Bild ab und führen zu Ansätzen von Klettertourismus, der zahlenmäßig aber nicht mit dem Andrang in Kalksteingebieten zu vergleichen ist. Damit wären wir bei dem ersten Standardargument der Sandsteingegner: es gibt keine leichten Routen.

Balkengrafik

Das stimmt bedingt: die Grafik links zeigt, dass schwere Routen deutlich stärker vertreten sind. Die gelben Balken zeigen, wie viele Routen innerhalb des Bestands (zum Zeitpunkt der Drucklegung der ersten Auflage des Kletterführers) nicht mit Bohrhaken gesichert sind. Viele leichte Routen bleiben da nicht übrig.

Verstärkend wirkt hier noch die Tatsache, dass der Landkreis Göttingen im November 2017 einige Kletterfelsen geschlossen hat, darunter die unter Anfängern und Familien beliebte Knubbelwand. Weitere Nachteile des Sandsteins sind die geringen Wandhöhen, die sich jährlich neu bildende "Patina" aus losem Sand und Laub sowie die stellenweise wenig vertrauenerweckende Festigkeit. Liebhaber hingegen führen die Zugänglichkeit (mit dem Fahrrad), die stets gute Reibung der Oberfläche und das breite Spektrum an Anforderungen an. Dazu kommt die Besonderheit der Türme, die einer strengen Kletterethik unterliegen.

Seit 2015 der Kletterführer erschien sind einige neue Routen im GöWald erschlossen worden. Nicht alle Erschließungen werden dem AKN bekannt gemacht, leider. Aber was wir über neue Routen wissen ist mit den blauen Balken in die Vergleichsgrafik eingeflossen. Es sind im Vergleich zum Bestand überproportional viele leichte Routen dazu gekommen, die meisten mit Bohrhaken abgesichert, z.B. in Mariaspring. Insgesamt scheint die Anzahl der abgesicherten leichten (bis UIAA 5) Routen seit 2015 um etwa 70% gestiegen zu sein. Dies geschieht nicht zuletzt durch die Förderung der DAV Sektion Göttingen. Die Sektion finanziert den AKN (Arbeitskreis Klettern und Naturschutz) nämlich maßgeblich und sorgt in Zusammenarbeit mit engagierten Kletterern für legale Erschließungen. Daneben fördert der AKN auch Sanierungen (z.B. in Mariaspring) oder führt Sanierungen durch (z.B. an der Pfeilerwand im Bild unten).

Der Routenbestand ist nämlich zum Teil recht alt (1970er Jahre ff.) und stellenweise nicht normgerecht abgesichert.

2019 erteilte der Landkreis Göttingen eine (neue) Erlaubnis zur Bekletterung von Felswänden, die vorwiegend in ehemaligen Steinbrüchen zu finden sind. Hier gibt es keine Probleme mit dem Kulturdenkmalschutz (wegen der Abri), die möglichen Touren sind allerdings vorwiegend sehr steil. 

 

Im Rahmen dieser Freigabe ist in nächster Zeit noch mit Routenzuwachs in den höheren Graden zu rechnen. Unterm Strich ist der GöWald ein Klettergebiet mit gewissen Eigenheiten. Aus unserer Sicht macht ihn das sympathisch. Wenn du ihn auch einmal erkunden willst, hilft der Kletterführer aus dem Panico Verlag (Achtung: Erlaubnis-Informationen veraltet!), unsere Errata-Seite und das DAV Felsinfo. Bitte meldet alle Erschließungen und Neuigkeiten an den Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Viel Spaß!

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Thomas

Hallo, liebe Berg- und Wanderfreunde, canyoning ist anspruchsvoll, macht aber extrem viel Spaß. Wer macht mit ? Nachricht an ...

Dienstag, 24. September 2019 10:40