Blick von der Jakobikirche

Hochtourengruppe

Ausbildungs- und Führungstour in Fels und Eis 2021 in die Silvretta-Gebirgsgruppe und ins Bernina-Gebiet

Mitte August führte die diesjährige DAV-Hochtour eine stolze Fußballmannschaft von 11 Personen plus Auswechselspieler (Volker, Michael, Andi, Sarah, Doro, Monika, Frauke, Marcel, Werner, Elsa, Knut und Leandra) in die Zentralalpen. Auf kleineren und größeren Touren, mit dem Piz Bernina (4059 m) als höchsten Gipfel, lernten wir viel über das korrekte Verhalten auf den leider  mehr und mehr verschwindenden Gletschern, den Umgang mit Sicherungsmaterialien, Steigeisen und Pickel sowie Ausdauer, Trittsicherheit und die eigenen Grenzen. Wem das noch nicht reichte, bot die Verteilung der Silvretta-Gebirgsgruppe und der Bernina-Alpen über Österreich, Schweiz und Italien genug Möglichkeiten, seinen Wortschatz oder seinen kulinarischen Horizont zu erweitern.

Am Anreisetag trudelte unsere aus Anfängern bis zu langjährig Erfahrenen bunt gemischte Truppe nach und nach am Madlenerhaus (Bielerhöhe) in der Silvretta (1.986 m) ein. Geplant war an diesem Tag – bis auf eine Verköstigung mit österreichischen Spezialitäten nichts weiter. So konnten wir uns die Zeit mit den letzten Packoptimierungen, Cappuccinotrinken, Beinevertreten um den türkis glitzernden Silvretta-Stausee und dem gegenseitigen Kennenlernen vertreiben.

Den gut dreistündigen Aufstieg zur Saarbrückerhütte (2.538 m) konnten wir in strahlendem Sonnenschein und nach üppigem Frühstücksbuffet inklusive Geburtstagskuchen für unsere Elsa zurücklegen. Plätschernde Bächlein und gebietstypische Blumen in den verschiedensten Farben zogen unsere noch ein wenig im Alltag verhafteten Gedanken auf sich. Als Eingehtour bestiegen wir an diesem Tag unseren ersten Gipfel, den Kleinlitzner auf 2.783 m Höhe, den wir über einen Kletterstieg erreichten. Der korrekte Umgang mit Klettergurt, Bandschlinge und Karabiner sowie die eingeschränkte Bewegungsfreiheit durch die Sicherung am an den Fels angebrachten Seil stellte für manche von uns die erste Herausforderung dar. Auf dem Gipfel gab es dann als Belohnung eine tolle Aussicht auf den gegenüber liegenden Großlitzner und ein zweites Geburtstagintermezzo mit Gesang und Kuchen.

Am nächsten Tag wurde es dann spannend: über die Seelücke (2.770 m) passierten wir die Grenze von Österreich in die Schweiz (und zwar ganz ohne Corona-Kontrollen oder nötige Plaketten!), wo wir dann auf unseren ersten Gletscher trafen. Leider machte uns hier eine Folge des Klimawandels einen Strich durch die Rechnung: der Gletscher war zu weit zurückgegangen. Wo man laut Übungsleiter Volker 1996 noch mit Steigeisen auf Eis und Schnee fast bis zum Gipfel Kleines Seehorn (3.032 m) spazieren konnte, fanden sich jetzt unersichtliche Stellen blanken Felses – unmöglich vorherzusehen, wie und ob der Weg überhaupt begehbar sein würde. Die weniger mächtigen Gletscherreste dienten uns jedoch noch gut genug, um, zunächst skeptisch und zaghaft, dann immer mutiger, erste Schritte mit unseren Steigeisen auf dem blanken Eis zu wagen. Wir lernten, dem ungewohnten Material an unseren Füßen zu vertrauen, das Setzen von Eisschrauben (zur Sicherung an steileren Eiswänden) sowie etwas später im Schneefeld das ebenfalls der Sicherung dienende anbringen von T-Ankern und Regeln für das Gehen in Serpentinen mit Pickel. Dann wurden wir in die Kindheit zurückkatapultiert: auf Hosenboden, Bauch oder Rücken schmissen wir uns Kopf voraus, rückwärts und seitwärts in den sulzigen Schnee, um mit genügend Tempo das anschließende Stoppen mit Pickel im Falle eines Sturzes an abschüssigeren Hängen zu trainieren. Diese verloren dadurch deutlich an angsteinflößender Wirkung und so machten wir uns bester Laune und durchnässt auf den Rückweg zur Saarbrücker Hütte. Dort angekommen hatten wir noch Zeit Spaltenbergung und Knotentechniken für den Ernstfall durchzuspielen, was uns allen willkommenes theoretisches Wissen lieferte und sich als komplizierter entpuppte als gedacht.

Um die Silvretta Gebirgsgruppe – und damit auch die Saarbrücker Hütte inklusive einwandfreier mehrgängiger Verpflegung und köstlichem Mirabellenschnaps – hinter uns zu lassen, stand uns noch der Abstieg zum Madlenerhaus bevor. Offensichtlich hatten uns die Eingehtouren schon überzeugt: aus mehreren Möglichkeiten, von denen die kürzeste drei Stunden gedauert hätte, wählten wir zwei aus, bei denen unsere beiden Untergruppen jeweils ca. 10 Stunden unterwegs waren. Eine Variante mit erneuter Gletscherbegehung und der Sonntagsspitze (2.882 m), die andere mehrmals steil bergauf und -ab und, für einen kleineren Teil der Gruppe, mit dem Hochmaderer (2.823 m). Hier bekamen wir Schafe, Murmeltiere und vielleicht einen Adler zu Gesicht.

Am folgenden Tag standen auf dem Plan: Rucksäcke von unnötigem Ballast entfernen, Essensvorräte auffüllen, Geld abheben und die dreistündige Fahrt (juhuu, Regenerationszeit!) zum Hotel Morteratsch im Engadin in der Schweiz, von wo aus wir zur Bovalhütte (2.495 m) aufstiegen. Der Weg dorthin machte trotz Tagestouristen einiges her: die zum Gehen angenehm leichte Steigung wurde begleitet von aus dem Grün sprießenden Blumen, Nadelbäumen, kleineren plätschernden Wasserfällen und dem grandiosen Anblick des immer näher rückenden Morteratsch-Gletschers mit seinen noch seltsam fern und unerreichbar wirkenden Gipfeln Piz Morteratsch, Piz Bernina (inklusive des sich elegant zur Spitze windenden Biancogrates), Piz Palü und des Bellavista-Gipfelgrates, die Ziele unserer nächsten Tage. Zumindest in mir machte sich eine positive, kribbelige Aufgeregtheit breit.

Für die Besteigung des Piz Morteratsch (3.751 m) nahmen wir unser Frühstück schon um vier Uhr ein. Wahrscheinlich war es diese Umstellung unseres Biorhythmus, das Birchermüsli und die gehörige Portion Adrenalin, die uns an diesem Tag noch erwarten sollte, die unsere Bäuche über den Tag ganz schön in Aufruhr versetzte. In der Dunkelheit machten wir uns an den Aufstieg; die in der Ferne leuchtenden Stirnlampen von anderen Bergsteigern, die sich langsam im Zick-Zack den Berg hinauf bewegten, ließen die ganze Szenerie wie in einem Traum wirken. Nach dem grapefruitfarbenen Sonnenaufgang führte unser Weg über eine schwindelerregend lange Leiter, die ersten Kletterpassagen mit deutlich Luft unter den Füßen über einen Grat, zu unserer ersten, steileren Eiswand. Aufgeteilt in zwei Seilschaften ging es die Wand nach oben, gesichert durch Eisschrauben. Nach dem folgenden Abschnitt durch Schnee, der sich durch die deutlich dünnere Luft und die bereits fortgeschrittene Zeit in die Länge zog, erreichten wir endlich den Gipfel. Strahlender Sonnenschein – das Engadin ist bekannt für sein gutes Wetter – erlaubte uns eine grandiose Aussicht auf die umliegenden Gipfel. Der Kräfte und Nerven zehrende Aufstieg hatte sich gelohnt und so konnten wir uns nach wohlverdienter Gipfelschokolade auf den Rückweg machen. An den kritischen Stellen – der Eiswand und den Kletterpassagen – ließen oder seilten wir uns ab. Mit unserer Gruppengröße nahm dies jedoch deutlich Zeit in Anspruch und so waren wir alle heilfroh, als wir es gerade noch pünktlich nach ca. 14 Stunden zurück in die Bovalhütte zum Abendessen geschafft hatten.

Die durch unsere müden Geister getroffene, zähe Entscheidung, den folgenden Tag einen Ruhetag einzulegen, stellte sich als richtig heraus; noch in der Nacht begann es zu gewittern und so hatten wir Zeit, unsere Akkus wieder voll zu laden.

Um zur 3.597 m hoch gelegenen, italienischen Marco e Rosa Hütte zu gelangen, machten wir uns in der Dämmerung auf den Weg über das ewige Eis der Gletscherzunge des Morteratsch-Gletschers, ein steiles Geröllfeld und Schneepassagen zum Fortezzagrat (3.372 m), wo sich die Kletterer unter uns über eine Herausforderung freuen konnten. Oben angekommen, hieß es nach Bewunderung des Pers-Gletschers abermals Steigeisen anziehen. Wir überquerten das abschüssige Firnfeld des Morteratsch-Gletschers. Auch ohne Gipfel hatten wir auf dem Weg unsere Höhepunkte, gute Ausdauer war gefragt. Was auf der neu renovierten Marco e Rosa Hütte zu bemängeln war (italienische Toiletten, also Löcher im Boden mit entsprechender Geruchsbildung), wurde durch die Lage, ein Menü bestehend aus Primi und Seconi Piatti sowie Dolce und italienischen Kaffee wieder aufgewogen.

Am darauffolgenden Tag war die Besteigung des Piz Bernina (4.059 m), der höchste Berg für die diesjährige Tour, geplant. Um 11 Uhr ging es, nachdem Nebel und eisiger Wind der Sonne platz gemacht hatten, einen Schneehang hinauf zur nächsten Kletterei. Unter anderem aufgrund von Gegenverkehr entschied sich die hintere Seilschaft, auf den Gipfel zu verzichten und stattdessen den steilen Hang für weitere Übungen zu nutzen. Für die andere Seilschaft ging es weiter über einen ausgesetzten Grat mit Schnee. Die zwischendurch aufragenden felsigen Partien des Grates machten nun auch das etwas gewöhnungsbedürftige Klettern mit Steigeisen notwendig. Letztendlich erreichten wir den höchsten Punkt und konnten so auch diesen Tag mit einem Hochgefühl, Rotwein und italienischem Kräuterlikör ausklingen lassen.

Für den Abstieg zur Bovalhütte nahmen wir diesmal den Weg über den Bellavista-Gipfelgrat. Es war noch früh am Morgen, als wir unsere Spuren an einem erneut steilen, noch makellos weißen Schneehang hinterließen. Auch hier wurden unsere Nerven gefordert, als wir mit dem Pickel an der Wand darauf warteten, dass endlich eine der zunächst scheiternden Bemühungen eine Eisschraube zur Sicherung zu setzen, Erfolg haben würde. Oben angekommen ging es über die letzten beiden Gipfel (3.799 m, 3.888 m) des vergletscherten Höhenzuges an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien in Richtung Piz Palü. Die unter uns liegende Wolkendecke und der Schnee um uns herum vermittelten ein letztes Mal das Gefühl, im Himmel zu sein, fernab von allen alltäglichen Problemen. Über die Fuorcla Bellavista (3.688 m) machten wir uns an den Abstieg und entschieden uns gegen eine letzte Herausforderung mit dem Piz Palü – die letzten Tage hatten gezeigt, dass einige Gipfelbesteigungen durch das Abtauen der Gletscher deutlich anspruchsvoller und damit länger geworden waren – und so freuten wir uns, nach einem dennoch 12 Stunden langen Tag auf einen letzten gemeinsamen Abend auf der Bovalhütte.

Voller Wehmut konnten wir am Tag unserer Abreise noch einmal einen Nebelsee über dem Morteratsch-Gletscher und das Spiel aus Licht und Wolken zwischen den einschüchternden und doch vertraut gewordenen Bergen bewundern. Dann ging es, nachdem wir noch die Präzision, mit der ein Helikopter Essen und Bierkästen an Hütten abliefert, bestaunen konnten, zurück in das Tal. Bei Cappuccino und hausgemachter Engadiner-Nusstorte (ein Gedicht aus karamellisierten Walnüssen und butterigem Teig) ließen wir die Tage mit einer Feedback-Runde Revue passieren und verabschiedeten uns voneinander.

Insgesamt hatten wir 11 wundervolle, anspruchsvolle und abwechslungsreiche Tage mit fast durchgängig gutem Wetter. Trotz der großen Gruppe (die Entscheidungen nicht gerade erleichterte) lief unser Programm nahezu wie geplant und so können wir unseren Tourenleitern Volker, Michael und Andi nur dankbar sein, dass sie uns allen diese Erfahrung mit ihren potenziellen Risiken ermöglicht haben – durchaus nicht selbstverständlich. Wir lernten in der Seilschaft, uns selbst und gegenseitig zu vertrauen, obwohl viele von uns sich erst seit kurzem kannten. Die im Vergleich zum Vorjahr gesteigerte Schwierigkeit führte dazu, dass jeder von uns (an unterschiedlichen Stellen) herausgefordert war – gepaart mit den landschaftlichen Eindrücken (die sich auf Bildern nie ganz einfangen lassen), der guten Gesellschaft und den kulinarischen Highlights an gemütlichen Hüttenabenden die perfekte Ablenkung um nun mit frischem Kopf wieder in unserem normalen Leben anzukommen.

Leandra Haas

 

 

Ausbildungshochtour ins Wallis (Val d´Anniviers u. Turtmanntal) 2020

Etwa 8 Stunden Fahrtzeit dauert die Reise bis ins Rhonetal im schweizerischen Wallis/Valais. Von dort aus zweigen etliche tiefeingeschnittene schmale Täler ab zu den bekannten 4.000er Gipfeln wie dem Matterhorn, Weißhorn und der Monte-Rosa-Gruppe, zu der die „Spaghettitour“ uns 2018 führte.

Unser Ziel ist das bei uns weniger bekannnte Val d’Anniviers mit dem Ort Zinal und das benachbarte Turtmanntal, genau an der Sprachgrenze zwischen der französischsprachigen und deutschsprachigen Schweiz. Die ersten beiden Übernachtungen im Tal waren in der Auberge Alpina, einer netten kleinen Pension am Ortsende von Zinal auf etwa 1670 m Höhe, gebucht, die übrigens kulinarisch sehr zu empfehlen ist. Von dort aus unternehmen wir am folgenden Tag bei herrlichen Bergwetter und angenehmen Temperaturen unsere erste Akklimatisationstour auf den knapp 2.600 m hohen Roc de la Vache (Kuhfelsen).

      
Wir, das sind Doro, Frauke, Marcel, Werner und die Übungsleiter Volker und Michael.

         

Geübt werden soll das Begehen von Gletschern mit der dazugehörigen Ausrüstung wie Pickel und Steigeisen und Gehen am Seil, später auch das Setzen von Sicherungen (Eisschrauben) und Spaltenbergung. Dafür wechseln wir ins benachbarte Turtmanntal auf die gemütliche Turtmannhütte (2.526 m ü. NN). Bedingt durch den Klimawandel haben sich die Gletscher in den vergangenen Jahren zunehmend zurückgezogen, sind abgeschmolzen, so dass die Wege von den Hütten zum Gletscher oft lang sind – bis zu 2 Stunden und länger. Geeignete Gletscherspalten, um die Spaltenbergung gefahrlos zu üben, sind ebenfalls nicht leicht zu finden.

      

Von der Turtmannhütte erfolgt der Zustieg zum Gletscher und den umliegenden Gipfeln über das Gässi, eine steile Karschwelle, die zur Überschreitung ähnlich abgesichert ist wie ein Klettersteig. Dann folgt ein Marsch über Geröll und Moränenreste, bis man die Gletscherzunge erreicht.

  

Dort heißt es: Gurt und Helm anziehen, Steigeisen unter die Stiefel, - was mit geliehenen Eisen nicht immer gut funktioniert -, und anseilen. Dann erste z. T. noch unsichere Schritte auf dem Eis, halten die Steigeisen auch wirklich?

 

Nach und nach spielen sich das Gehen am Seil und der Einsatz des Pickels ein, stetig geht es den Gletscher aufwärts. Dann wird das Setzen von Eisschrauben zur späteren Absicherung im steilen Eis geübt, die unterschiedlichen Modelle von Eisschrauben lassen sich mehr oder weniger gut ins Eis drehen; auch versuchen wir uns an sogenannten Abalakov-Sanduhren im Eis, die in der Not einen Rückzug ohne Materialverlust ermöglichen, ebenso wie auch eine Eisbirne, die als Abseilpunkt ins Eis gehackt wird, aber nicht so verlässlich erscheint wie eine Sanduhr. Die Probe aufs Exempel zeigt, die Sanduhr im Eis hält trotz massiver Belastung durch einen Mannschaftszug am Seil, die Frage ist nur wie lange?

Aufgrund der Schlechtwetterprognose – es ist eine Kaltfront im Anmarsch – beschließen wir für den Folgetag, das 3.833 m hohe Brunegghorn zu besteigen und die Übungen zur Spaltenbergung um einen Tag zu verschieben.

Das Brunegghorn ist eigentlich kein schwer zu ersteigender Gipfel – wenn bis obenhin Schnee liegt. Dem war aber wohl schon seit einigen Jahren im Sommer nicht so. Auf Empfehlung des Hüttenwirts sollte das Frühstück nicht erst um 6, wie wir geplant hatten, sondern um 4 Uhr in der Früh eingenommen werden, ein deutlicher Hinweis für eine lange Tour, aber auch im Hinblick auf den für Mittag prognostizierten starken Höhenwind.

      

Nach dem Frühstück folgt der uns bekannte Zustieg über die Karschwelle, das Geröll und den Gletscher. Nach 4 km Gletscherhatsch erreichen wir den Wandfuß des Brunegghorns und treffen dort auf erste Blankeisstellen, die wir zu umgehen versuchen. In der  zunehmend steiler  werdenden Gipfelflanke setzen wir Eisschrauben zur Sicherung ein, im oberen Teil  geht es dann auf abschüssigen Felsplatten weiter bis zum Gipfel, den wir nach etwa 6 Stunden Gehzeit erreichen, mit Schnee bis zum Gipfel wäre es sicher 1-2 Stunden schneller gewesen.

       

Am Gipfel gibt es dann eine grandiose Aussicht auf den Dom, den Alphubel, Monte Rosa und das Matterhorn nebst Weißhorn, um nur einige wenige der umliegenden 4.000er Gipfel zu nennen. Nach einer nicht allzu ausgiebigen Gipfelrast, inzwischen war ein kalten böiger Wind aufgekommen, geht es wieder an den Abstieg, der sich aufgrund der erforderlichen Absicherung im Eis etwas langwierig gestaltet. Auf dem Gletscher lässt es sich dann wieder etwas zügiger unter Umgehung einiger Spalten gen Hütte marschieren, die wir etwas erschöpft vom langen Tag, aber zufrieden erreichen.

 

Die Übungen zur Spaltenbergung beginnen nach dem üblich langen Anmarsch bis zum Gletscher auf demselben, sobald eine geeignete Spalte gefunden wurde, werden aber recht bald wegen des drohenden Schlechtwetters gegen Mittag in die Hütte verlegt. So spielen wir im Bereich des Abgangs zu den Toiletten mehrmals die Sicherungskette durch, gelegentlich unterbrochen von den Toilettengängen der wenigen verbliebenen oder angekommenen Gäste.

Tags darauf steigen wir in noch leichtem Regen von der Turtmannhütte zur unseren Autos am Parkplatz ab, um wieder nach Zinal ins Nachbartal zu fahren, von wo aus wir noch das Bishorn mit 4.151 m besteigen wollen.

Auf dem Weg machen Werner, Marcel und Michael noch einen Wellness-Stop in der Therme von Leukerbad mit unterschiedlich herrlich warmen Badebecken, die aus einer natürlich warmen Quelle gespeist werden, um Muskeln und Rücken zu entspannen. Auch so kann man einen Regentag genießen !

Der Tag, an dem wir eigentlich zur Tracuit-Hütte auf  3.259 m aufsteigen wollen, bringt mit einer Kaltfront erst Dauerregen, dann Schnee bis auf 2.500 m hinunter. Das ist selbst im August in den Bergen nichts Ungewöhnliches, was auch unserer Erfahrungen in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt haben.

      

Nach einer Wetterberuhigung geht es dann einen Tag später ab 2.500 m Höhe im Schnee hinauf zur Tracuit-Hütte. Die von Vorgängern gelegten Spuren führen oft vom eigentlichen Weg ab, der nur schwer zu finden ist, da die Farbmarkierungen unter dem Schnee verborgen sind, und der z. T. mit Steinmännern markiert ist. Am frühen Nachmittag, nach etwa 5 Stunden, erreichen wir die Hütte, wo uns, wie bereits in der Turtmannhütte, coronabedingt ein Schlafraum nur für unsere Gruppe zugewiesen wird; wir können uns zu sechst sehr komfortabel auf 20 Schlafplätze mit Corona-Sicherheitsabstand verteilen, was aufgrund der geringen Hüttenbelegung kein Problem ist, - es gibt sogar noch gänzlich unbelegte Schlafräume in dieser Nacht.

  

Frühstück ist um 5.30 Uhr, wenn man aufs Bishorn will (2 Uhr für nicht anwesende Aspiranten fürs Weißhorn). In der Morgendämmerung führt die Route auf den nahe gelegenen Turtmanngletscher, den man bis zum Gipfel 900 m aufsteigt, was in gut von 3-4 Stunden zu schaffen ist. Heute jedoch nicht ! Der Haken an der Sache sind ein halber Meter Neuschnee, feinster Pulver, leider haben wir keine Skier dabei, schade. Es muss also gespurt werden, - und das ist anstrengend und dauert einiges länger. Glücklicherweise übernimmt eine Gruppe junger energiegeladener Bergsteiger aus Heidelberg den größten Teil des Spurens. Sie lassen es sich nicht nehmen, bis kurz vor dem Gipfelaufschwung zu spuren, überlassen dann aber doch 2 Schweizern das letzte Stück voranzugehen. Nach fünfeinhalb Stunden Aufstieg erreichen wir mittags den Gipfel des Bishorns mit grandiosem Blick auf das Weißhorn mit seinem langen Nordgrat. Der Berg ist übrigens Doros Traumberg, jetzt zum Greifen nah. Aber das wird vielleicht später eine andere Geschichte.

   

Michael Vietze

 

Hochtouren im Monte Rosa – Gebiet („Spaghetti Tour“) 2018

Zumsteinspitze-Signalkuppe-Parrotspritze

Mit  9 Mitgliedern der Hochtourengruppe ging es Mitte August 2018 auf die Südseite des Monte Rosa Massivs zunächst nach Gressoney/Staffal, von wo aus wir zur Gabiet-Hütte (2.375 m) aufsteigen wollten. Da die Anreise doch etwas länger als erwartet dauerte und einige den letzten Lift um 18 Uhr verpassten, holte uns der Hüttenwirt

freundlicherweise mittels Pickup ab und transportierte uns samt Gepäck zur Hütte, um dort das Abendessen zur rechten Zeit einnehmen zu können. Der erste Tag wurde dann zum Eingehen auf den Corno de Camoscio (3.026 m) genutzt. Dann wechselten wir zu der sehr komfortablen Orestes-Hütte (2.625 m), die von Walsern betrieben wird - es gab überraschenderweise auch nur rein vegetarische Kost -, von wo aus wir das Alta Luce/"Hohe Licht" (3185) bestiegen und einen ersten Eindruck unserer 4.000er Gipfelziele bekamen. Das Rifugio Città di Mantova (3.440m) war dann für die nächsten Tage unser Ausgangspunkt für die Vincentpyramide (4.215m), das Balmenhorn (4.167m)und das Schwarzhorn (4.321m), die recht nahe beieinander liegen. Doch zuvor ging es bei aufkommenden Wolken auf den Punta Giordani (4.046 m), die uns leider den Blick ins Tal und die umliegenden Gipfel verwehrten.


Bei herrlichem Sonnenschein erstiegen wir in den folgenden Tagen die Ludwigshöhe (4.341m), die Parrotspitze (4.432m) und die Signalkuppe (4.554m) mit der Cabana Margherita.

 

Die Zumsteinspitze (4.563m) erreichte Andi in einer Dreierseilschaft, die übrigen stiegen u.a. wegen Magen-Darm-Problemen - was möglicherweise an der allabendlich servierten Minestrone lag - zur Hütte ab.

Den ursprünglich geplanten Wechsel zum Rifugio Quintino Sella (3.585m) führten wir aufgrund der schwierigen Überschreitung nicht mehr durch, so auch nicht die Besteigung des Castor (4.228m) und evtl. Pollux (4.092 m). Statt dessen entschieden wir uns für den Abstieg auf die schon erwähnte Orestes-Hütte, um dort die Tour relaxt ausklingen zu lassen, bevor wir am folgenden Tal zurück ins Tal stiegen und die Rückfahrt antraten.

Michael Vietze


 


 

 

 

Klettertermine
im Ith oder Harz werden über den E-Mail- Verteiler bekannt gegeben.

Im Verteiler der Hochtourengruppe sind aktuell über 20 Personen, die gemeinsam meist im Ith oder Harz Klettern gehen und Touren in den Alpen unternehmen.  

 

Kontakt:

Volker Ruwisch (FÜL/Trainer B Hochtouren), Bergstr. 26, 37170 Dinkelhausen, Tel.: 0171 - 43 633 83,
Email:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Andreas Piepenburg (Trainer B Bergsteigen in Ausbildung),
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Ansprechpartner

 

Volker Ruwisch (FÜL Hochtouren)
Bergstraße 26
37170 Dinkelhausen
Tel.: 05571 / 3486Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Andreas Piepenburg
(Trainer B Bergsteigen in Ausbildung)
Göttingen

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